Je mehr Erneuerbare, umso größer die Abhängigkeit von Kommunikation

Auf dem diesjährigen FNN-Kongress Netze geht es unter anderem um Sektorenkopplung, flexible Leistung, die Vergabe der 450- MHz-Funkfrequenz und das FNN-Szenario 2030 für den Netzbetrieb.

Klimaschutzziele müssen umgesetzt werden und gleichzeitig Netz und System für 65 Prozent erneuerbare Energien im Jahr 2030 fit gemacht werden. Wie das gelingen kann, das haben rund 600 Entscheider und Experten aus dem Energiesektor beim „FNN- Kongress Netze“ in Nürnberg diskutiert. Die Kongressteilnehmer stimmten darin überein, dass die schwankende Einspeisung von erneuerbaren Energien durch flexible Leistung bei Erzeugung und Last ergänzt werden muss.

Ein Schlüssel dazu ist die Kopplung mit den Sektoren Wärme und Verkehr. „Sektorenkopplung bietet drei große Chancen“, sagte Stefan Küppers, Vorstandsvorsitzender des Forums Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE|FNN), in seiner Rede am ersten Kongresstag. „Erstens die schwankende Einspeisung durch erneuerbare Energien auszugleichen, zweitens den Netzausbau zu optimieren und drittens erhält man neue Gestaltungsmöglichkeiten bei der Speicherung beziehungsweise in den Sektoren Wärme und Verkehr. Dafür sind Kooperationen notwendig. Herausforderung ist es, künftig über Sektorengrenzen hinweg Netze zu planen und zu betreiben.“

Chancen der E-Mobilität

Flexible Leistung kann auch durch die Lade- und Entladevorgänge von Elektrofahrzeugen zur Verfügung gestellt werden. Die Vorgänge werden grundsätzlich von Kunden und Markt gesteuert – in kritischen Netzsituationen muss aber der Netzbetreiber eingreifen können. Aktuell wird eine Verordnung diskutiert, die den Rahmen für diese sogenannte netzdienliche Steuerung setzen soll. „Wenn der Netzbetreiber in kritischen Situationen steuernd eingreifen kann, ist es möglich, Netzausbau zu beschränken. Hier gilt Intelligenz statt Kupfer“, betonte Küppers.

Digitalisierung und Energiewende übergreifend managen

Die Digitalisierung ist das wichtigste Werkzeug, um Bestandsnetze optimal auszunutzen, so Heike Kerber. Die Geschäftsführerin von VDE|FNN unterstrich bei Ihrer Eröffnungsrede: „Die Vernetzung der Akteure macht eine gemeinsame Zielsetzung und ein übergreifendes Projektmanagement notwendig.“ Je mehr erneuerbare Energien integriert werden, desto höher und vielfältiger wird ihre Abhängigkeit von Kommunikation. Man setze sich deshalb dafür ein, dass der Frequenzbereich um 450 MHz der kritischen Infrastruktur Stromversorgung zugewiesen werde, so Kerber. „Damit können Netzbetreiber im Schwarzfall den Netzwiederaufbau organisieren.“

Das „FNN-Szenario“ – roter Faden für notwendige Entwicklungen

Die Ziele zum Klimaschutz und der Energiewende sind dem Verband zufolge vielfältig. Nicht immer können die für die Netzentwicklung relevanten Größen eins zu eins abgeleitet werden. Welche Annahmen den für Netzbetrieb und Netztechnik notwendigen Entwicklungen zu Grunde liegen, wird im „FNN-Szenario“ für das Jahr 2030 transparent gemacht. Dazu analysieren die Experten regelmäßig vorhandene Szenarien und Beschlüsse, wie den Netzentwicklungsplan der Bundesnetzagentur, Klimagipfel und Ziele für Elektromobilität. So ist im Szenario zum Beispiel beschrieben, wie viel steuerbare Leistung in den Spannungsebenen angenommen wird. Dr. Küppers erklärte: „Das FNN-Szenario macht unsere Annahmen transparent, auf die wir die Regelsetzung ausrichten. Das gibt den Beteiligten Orientierung. Das Szenario ist auf der Website https://www.vde.com/de/fnn/arbeitsgebiete /vom-netz-zum-system/fnn-szenario verfügbar und wird regelmäßig aktualisiert. (sg)